Skifahren in Lesotho klang für uns lange nach einem Gerücht. Skifahren ist das, was uns seit dem Umzug nach Südafrika am meisten fehlt, und weil wir immer wieder davon gehört hatten, dass man mitten im südlichen Afrika tatsächlich auf Skiern stehen kann, stand dieser Plan lange auf unserer Liste. Der 16. Juni ist hier Feiertag, der Youth Day, an dem sich Südafrika an den Aufstand von Soweto 1976 erinnert – 2026 fiel er auf einen Dienstag, und mit dem Montag wurde ein richtig langes Wochenende daraus. Also: rauf in die Berge, zu dritt, mit dem Tuff Cats Mbada 2 im Schlepptau. Was wir mitgenommen haben, war am Ende ein ganz anderes als das erwartete – aber der Reihe nach.

Tag 1 – Samstag: Anreise und ein Campingplatz wie aus dem Bilderbuch
Die Anfahrt ist unspektakulär und genau deshalb angenehm: zwei Stunden Autobahn, dann zwei Stunden über eine endlos lange, schnurgerade Landstraße Richtung Drakensberge. An Fouriesburg vorbei geht es fast bis zur Grenze nach Lesotho, und dann kommt der Moment, an dem man kurz glaubt, sich verfahren zu haben: Buchstäblich am Grenzposten die letzte Abzweigung links, und ab da ein bis zwei Kilometer buckeliger Feldweg bergauf. Oben liegt die Camelroc Guest Farm auf einer kleinen Hochebene, mitten zwischen den Bergen Südafrikas und Lesothos, unterhalb der Sandsteinfelsen der Rooiberge. Hier die Lage auf der Karte.

Der Platz ist klein, und das ist sein ganzer Charme: ein paar Lodges, dazu drei Stellplätze etwas abseits, direkt am Beginn des Wanderwegs auf die Gipfel. Nach den weiten Buschcamps, die wir bisher kennengelernt haben – zuletzt beim Wochenende im Lefokeng Bushcamp –, war das eine ganz andere, fast alpine Art von Camping. Jeder der drei hat eine eigene überdachte Sitzgelegenheit und eine eigene Braai-Stelle, dazu ein gemeinsames Ablution Block, wie die Sanitärhäuser hier heißen. Wir waren am ganzen Wochenende die einzigen Camper.
Gekostet hat die Nacht 250 Rand, also rund 13 Euro, und darin ist alles enthalten, sogar WLAN – für diese Lage ist das aus unserer Sicht geschenkt. Gebucht haben wir unkompliziert per E-Mail direkt bei Dermot, dem Besitzer, bezahlt wurde per Überweisung.


Den Ankunftstag haben wir dann einfach nur genossen. Kaffee, ein bisschen gesnackt, Leon auf dem Spielplatz, abends gegrillt und ein Feuer gemacht. Und dann dieser Sternenhimmel: Wir haben die Milchstraße gesehen, so klar, wie man sie in Europa kaum noch zu Gesicht bekommt. Für den ersten Abend hätte es nicht besser laufen können.


Tag 2 – Sonntag: Skifahren in Lesotho, und was wir dabei über das Land gelernt haben
Um halb sieben ging es los, damit wir früh an der Grenze sind. Waren wir auch – und standen trotzdem 40 Minuten in der Kälte an, allein auf der südafrikanischen Ausreiseseite. Dann drängelten sich einzelne Leute an der Schlange vorbei nach vorne. Wir haben sie darauf angesprochen, was erwartungsgemäß nichts gebracht hat. Interessanter war die Reaktion der südafrikanischen Gruppe vor uns: Sie hätten sich daran gewöhnt, dass sich nicht alle an die Regeln halten, und wer etwas sage, handle sich am Ende nur mehr Ärger ein. Das war ehrlich gesagt der lehrreichste Moment des ganzen Tages.
Später stellte sich heraus, dass es ein Minibus-Taxifahrer war – ein eigener Kosmos hier im Land, ein riesiger, kaum regulierter Transportsektor, in dem sich konkurrierende Verbände immer wieder handfest bekriegen. Man geht ihnen besser aus dem Weg. Und es blieb nicht bei der Schlange: An dieser Grenze wird offenbar auch regelmäßig geschmiert, wer es eilig hat und die richtigen Leute kennt, kommt schneller durch. Das System ist da, es wird nur eben auch gerne umgangen.

Einen Kilometer weiter dann die nächste Schlange auf der Seite Lesothos, und dort durften wir dreimal zahlen: Grenzübertritt, Tourist Fee und Maut. Irgendwann wussten wir schon nicht mehr, wer da gerade warum Geld von uns wollte. Um halb acht waren wir durch – eine Stunde weg, Geld weg, Laune mäßig.
Und dann wurde es richtig spannend. Erst geht es auf gutem Teer durch eine Stadt, doch mit jedem Kilometer hinaus aufs Land wurde die Straße schlechter und die Häuser kleiner. Anfangs noch große Gebäude mit Satellitenschüsseln und Autos davor, später nur noch afrikanische Rundhütten mit Großfamilien. Die Männer bei den Schafherden, die Frauen beim Wäschewaschen im Zuber, die Kinder mit einem Ball, winkend an der Straße oder selbst mit den Schafen unterwegs. Das waren keine Townships mit ihrem Elend, sondern dörfliches Leben – arm, ja, aber auf eine Art schön.
Wir haben auch mehrere Brände in den Bergen gesehen und uns bis heute nicht erklären können, woher die kamen. Ehrlich gesagt hat mich das alles ziemlich beschäftigt: wie sehr die Zeit dort stehengeblieben scheint, wenige Kilometer entfernt von einem völlig anderen Leben. Das bekomme ich immer noch nicht richtig in meinen Kopf (Sonja).
Nach anderthalb Stunden durch dieses Mountain Kingdom ging es hinauf auf über 3.000 Meter, es kam Schnee, und dann lag es endlich vor uns: Afriski, eines von nur zwei Skigebieten im südlichen Afrika, auf 3.222 Metern knapp unterhalb des Mahlasela-Passes.


Afriski: eine Piste, ein alter Lift und sehr viel Geld
Dort angekommen haben wir wieder gefühlt dreimal Eintritt bezahlt und Ski ausgeliehen, in einem verrückten, futuristisch hingestellten Verleih, der aussieht wie in Österreich. Und das Beste: Die Ski hatten offensichtlich schon eine Verleihkarriere im Pitztal hinter sich, die Aufkleber waren noch drauf. Wir mussten wirklich lachen.







Und jetzt zu den Kosten, denn wer Skifahren in Lesotho plant, sollte sie vorher kennen. Zuerst zahlt man Eintritt ins Resort, rund 20 Euro für uns als Familie – und zwar unabhängig davon, ob man überhaupt Ski fahren will oder nur schauen. Danach kommen Skipass und Verleih obendrauf: für Matthias und mich je etwa 50 Euro, für Leon rund 30 Euro. Unterm Strich landet man als dreiköpfige Familie bei etwa 150 Euro für einen Tag – für eine Piste von 1,7 Kilometern und einen alten Lift. Wir haben vorher online zu recherchieren versucht, aber die Preisstruktur ist unübersichtlich, und vieles erfährt man ohnehin erst an der Kasse vor Ort.
Das Kuriose daran: Der Skipass-Leser funktionierte nicht, wir hätten also genauso gut ohne fahren können. Dafür stand am Pisteneinstieg ein Mitarbeiter, dessen einzige Aufgabe darin bestand, die Leute darauf hinzuweisen, die Skischuhe abzuputzen, bevor sie in den Schnee treten. Das fasst ziemlich gut zusammen, was uns hier manchmal ratlos zurücklässt: an jeder Ecke Geld einsammeln, gleichzeitig funktioniert die Hälfte nicht, aber für das Schuheabstreifen ist eine Stelle geschaffen. Man muss sich schon zusammenreißen, um nicht kopfschüttelnd wieder heimzufahren.

Zwei Stunden später haben wir für ebenfalls zu viel Geld etwas gegessen und sind die zwei Stunden zurückgefahren. An der Grenze nach Südafrika wieder eine Schlange, wieder Leute, die sich vorbeidrängelten, diesmal in Designerkleidung. Gegen 15 Uhr waren wir zurück am Campingplatz, im grünen Gras mit Blick auf die Berge. Und dann erst mal durchatmen.
Unser Fazit zum Skifahren in Lesotho, ganz ehrlich: never again. Die Berge dort oben sind wild und wunderschön, und die Fahrt durch die Dörfer war jeden Kilometer wert. Aber das Skigebiet rechtfertigt weder den Preis noch den Grenzstress. Wer schon einmal in den Alpen auf Skiern stand, wird hier nicht glücklich.
Tag 3 – Montag: Frühstück in Fouriesburg und die Wanderung, für die wir gekommen sind
Am Morgen liegt der Campingplatz noch im Schatten, also sind wir erst mal nach Fouriesburg gefahren, in unser Lieblingsfrühstückslokal, das Thyme Restaurant. Wir waren dort schon beim letzten Campingwochenende zweimal, und es ist einfach jedes Mal gut.




Danach ging es endlich los. Die Wanderwege der Camelroc starten direkt am Stellplatz und führen rund um das Bergmassiv hinauf auf den Gipfel. Rund 700 Höhenmeter sind es, und mit allem Drum und Dran waren wir gut fünf Stunden unterwegs. Oben wartet ein großer, etwas loser Fels, auf dem man sitzen kann – mit einem Blick, für den sich der ganze Aufstieg lohnt. Und dann das, worauf wir am meisten stolz sind: Leon ist die komplette Runde selbst gelaufen, hoch und runter, alle 700 Höhenmeter.








Zurück am Platz gab es einen mehr als verdienten Kaffee, später wieder Lagerfeuer, Grillen und Sterne. Camping at its best.


Tag 4 – Dienstag: noch ein Frühstück, dann heim
Am letzten Morgen sind wir noch einmal nach Fouriesburg zum Frühstücken gefahren – ganz uneigennützig übrigens, denn so bekam die feuchte Markise noch ein paar Stunden Zeit zum Trocknen. Danach alles zusammengepackt und zurück nach Hause.
Fazit: der Platz bleibt, das Skifahren nicht
Die Camelroc Guest Farm ist genau das, was wir am Campen lieben: klein, ruhig, mitten in den Bergen, mit dem Wanderweg direkt vor dem Trailer und einem Sternenhimmel, für den man nichts weiter tun muss, als nach oben zu schauen. Wir kommen wieder, und dann bleiben wir dort und wandern, statt uns an eine Grenze zu stellen. Nach dem ersten Busch-Camping im Lefokeng Bushcamp war das unser zweites langes Wochenende mit dem Trailer – und das erste in den Bergen.
Lesotho hat uns beeindruckt, aber anders als gedacht. Skifahren in Lesotho ist die Reise nicht wert, der Weg dorthin dagegen sehr: die Pässe, die Weite, die Dörfer. Fürs nächste Mal nehmen wir mit, an einem Feiertagswochenende nicht die Grenze anzusteuern, sondern die Berge auf der südafrikanischen Seite. Davon gibt es hier genug.

Wart ihr schon einmal in Lesotho unterwegs? Würdet ihr Skifahren in Lesotho ausprobieren, wenn sich die Gelegenheit ergibt? Und was war euer skurrilstes Grenzerlebnis auf einer Campingreise? Schreibt es in die Kommentare, wir freuen uns.
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Dankeschön und Happy Camping,
Sonja & Matthias


