Seit wir in Südafrika leben, stand eine richtige Campingmesse vor Ort ganz oben auf unserer Liste. Ende Mai war es dann soweit: Die Outdoor X in der Nähe von Pretoria ging heuer in ihre zwölfte Runde und ist inzwischen die größte Outdoor- und Lifestyle-Messe des Landes. Wir sind an einem Sonntagvormittag zu dritt hingefahren, Matthias, Leon und ich, und wollten vor allem eines: sehen, wie die Südafrikaner campen. Welche Trailermarken es hier neben unserem Tuff Cats noch gibt, welche Produkte die Leute interessieren und wo der Markt gerade hinläuft. Davon wollen wir euch hier berichten.
Anfahrt im Schneckentempo und ein erster Eindruck
Die Outdoor X findet nicht in einer Messehalle statt, sondern draußen auf dem Idlewild Country Estate, rund 15 Kilometer südlich von Pretoria. Das klingt entspannt und ist es auch, nur die Anfahrt hatten wir deutlich unterschätzt: Auf den letzten Kilometern über staubige Pisten ging es im Schneckentempo voran, und wir standen ewig in einer Schlange aus lauter großen Bakkies, die alle dasselbe Ziel hatten. Bei über 37.000 Besuchern an drei Tagen ist das vermutlich auch kein Wunder, aber wer am Sonntag erst am Vormittag losfährt, verliert eben Zeit, die am Ende hinten fehlt – um 16 Uhr war Schluss. Der Eintritt lag bei 180 Rand im Vorverkauf und 200 Rand an der Kasse, Kinder unter 13 kommen kostenlos rein, was wir für so ein Familienevent wirklich fair finden.
Etwas ist uns schon in der Autoschlange aufgefallen und hat uns den ganzen Tag beschäftigt: Unterwegs waren praktisch ausschließlich weiße Südafrikaner, überall wurde Afrikaans gesprochen, und schwarze Südafrikaner haben wir an diesem Tag kaum gesehen. Camping und Bush Camping sind hier eine echte Leidenschaft, aber sie scheint sehr stark in einer Bevölkerungsgruppe verankert zu sein. Ob das am Budget liegt, an der Ausrüstung, die so ein Wochenende voraussetzt, oder ob Campen kulturell schlicht eine andere Rolle spielt, können wir von außen ehrlich gesagt nicht beurteilen. Wir fanden die Beobachtung aber spannend genug, um sie hier aufzuschreiben, und wenn jemand von euch mehr dazu weiß, sind wir sehr neugierig.

Offroad Trailer, so weit das Auge reicht
Der erste Teil der Messe war für uns direkt der beste. Über 600 Marken verteilen sich auf sieben Themenbereiche, und im Camping- und Offroad-Bereich standen die Trailer in einer Dichte und Qualität, wie wir sie in Deutschland noch nie gesehen haben. Nachdem wir uns vor unserer Kaufentscheidung ja ohnehin schon durch den Vergleich der verschiedenen Offroad-Wohnwagen gearbeitet hatten, war das ein bisschen wie ein Klassentreffen der Marken, die damals auf unserer Liste standen. Das Highlight war für uns ein riesiges Aufblaszelt auf einer Plattform, das aus der Entfernung nach einem kompletten Dachaufbau aussah. Bei näherem Hinschauen war es dann doch eher ein klassisches Zelt und für die dauerhafte Montage auf dem Autodach nur bedingt geeignet… trotzdem zeigt es sehr schön, wohin der Markt gerade läuft, nämlich zu immer mehr Aufblaslösungen, auch auf Fahrzeugdächern.

Kastenwagen sind hier eine echte Nische
Was uns dann richtig überrascht hat: Die Sprinter und Kastenwagen standen weit hinten auf dem Gelände und waren zahlenmäßig eine kleine Randerscheinung. In Europa ist der ausgebaute Kastenwagen für viele der Inbegriff von Vanlife, hier ist er ein Exot – und vor allem ein sehr teurer. Die ausgebauten Sprinter fingen bei ungefähr 130.000 Euro an, und das leisten sich hier verständlicherweise die wenigsten. Die sehr luxuriösen Offroad Trailer dagegen liegen bei etwa 30.000 bis 50.000 Euro und bieten für dieses Geld deutlich mehr Ausstattung, mehr Autarkie und dazu den großen Vorteil, dass das Zugfahrzeug frei bleibt. Wenn man das so nebeneinander sieht, versteht man ziemlich schnell, warum die Rechnung hier anders aufgeht als bei uns, und warum wir uns damals für den Tuff Cats Mbada 2 entschieden haben.

Handgenähte Kühlboxen von Riana und Stephen
Der schönste Moment des Tages war dann ein Stand, den wir eigentlich nur im Vorbeigehen mitgenommen hätten. Coolbag fertigt selbstgenähte Kühltaschen und Kühlboxen hier vor Ort, in richtig guter Verarbeitung und mit sichtbar viel Liebe zum Detail. Hinter der Marke stecken Riana und Stephen, die seit 2018 gemeinsam daran bauen – sie kommt aus dem Modedesign, er war professioneller Field Guide, und man sieht den Taschen beides an, das saubere Handwerk und das Wissen darüber, was so ein Teil im Busch aushalten muss. Wir sind mit den beiden ins Quatschen gekommen und haben festgestellt, dass wir es mit einem Ehepaar zu tun haben, das genau da steht, wo wir mit der Camperflower auch mal angefangen haben: eine Produktidee, viel Handarbeit und die Frage, wie man daraus etwas Größeres macht. Aus dem netten Gespräch wurde ziemlich schnell ein geschäftliches, und wir haben gemeinsam ausgelotet, wie eine Einfuhr nach Europa aussehen könnte und was dafür nötig wäre. Wir bleiben da auf jeden Fall dran und melden uns, wenn sich etwas ergibt.

Zum Schluss durch die Braai-Ecke
Grillen können die Südafrikaner, das muss man ihnen lassen. Der letzte Teil unseres Rundgangs führte durch die Braai-Ecke, und dort standen Stand an Stand die Grill-Gadgets: tragbare und klappbare Feuerstellen, Planchas, Roste in allen Größen, dazu überall Rauch und der Duft von Würstchen und Fleisch. Acebraai war ein gutes Beispiel dafür, wie durchdacht die Sachen hier gebaut sind, und Matthias hat gleich angefangen zu rechnen, was davon eigentlich in unseren Trailer passt. Wir haben uns dann doch zusammengerissen und nichts gekauft… aber notiert haben wir uns einiges 😉

Fazit Outdoor X 2026
Die Messe war wirklich toll organisiert, und was uns am meisten beeindruckt hat, war schlicht das riesige Interesse am Camping: über 37.000 Menschen, die an einem Winterwochenende rausfahren, um sich Trailer, Zelte und Grills anzuschauen. Was genervt hat, war einzig die Anfahrt, und daraus nehmen wir fürs nächste Mal mit, pünktlich zur Öffnung da zu sein statt erst am Vormittag loszufahren. Leons Fazit fiel übrigens deutlich klarer aus als unseres: die größte Hüpfburg, die wir je gesehen haben, und die stand ziemlich sicher ganz oben auf seiner persönlichen Highlight-Liste. Für uns hat sich der Tag vor allem wegen der Kontakte gelohnt, und die nächste Messe steht auch schon fest: die SA 4×4 Outdoor Show in Gauteng im September.

Wart ihr auch schon einmal auf einer Campingmesse außerhalb Europas? Was ist euch dort aufgefallen, und würdet ihr einen Offroad Trailer einem Kastenwagen vorziehen? Schreibt es in die Kommentare, wir freuen uns.
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Dankeschön und Happy Camping,
Sonja & Matthias


