In meinem Artikel Smart Home im Camper habe ich euch gezeigt, wie ich Licht und Technik im Camper per App steuere. Eine Frage ist dabei offen geblieben: Wie komme ich an meinen Camper, wenn ich gar nicht drin sitze? Damals habe ich dafür einen kostenpflichtigen Cloud-Dienst genutzt. Heute geht das besser: verschlüsselt, ohne Abo und ohne Hersteller-Cloud.

Das Problem: Im Camper klappt alles – von woanders nicht
Sitzt ihr im Camper, ist alles ganz einfach: Handy, Batteriecomputer, Shelly-Schalter und Kamera hängen im selben WLAN, die Weboberflächen sind nur einen Klick entfernt. Sobald ihr aber außerhalb des Camper-WLANs seid – beim Essen im Restaurant, zuhause, während der Camper im Winterlager steht, oder im Büro, wenn ihr nach der Batterie schauen wollt –, sind die Geräte weg. Dafür gibt es bisher zwei übliche Wege – und beide haben ihren Haken:
- Die Cloud des Herstellers. Jedes Gerät hat seine eigene App und sein eigenes Konto, die Daten laufen über fremde Server, und manches gibt es nur im Abo.
- Ein VPN auf dem Handy. Das funktioniert – leitet aber, solange es an ist, den gesamten Verkehr des Handys über den Camper oder über zuhause. Das kann Android Auto, Navigation und Karten-Apps stören. Also schaltet man ständig um: VPN Büro, VPN Zuhause, VPN Camper, ein, aus, ein …
Die Lösung: ein smarter VPN-Assistent
Genau dafür haben wir HomeHyrax entwickelt, eine kostenlose App für Android. Ihr legt eure Geräte als Kacheln an – Weboberfläche, Schalter oder Kamera – und HomeHyrax kümmert sich um den Rest:
- Erkennt selbst, wo ihr seid: Im WLAN des Campers geht die App direkt aufs Gerät, außerhalb davon automatisch über den Tunnel. Dafür klopft sie beim Öffnen einer Kachel kurz im aktuellen WLAN an; antwortet das Gerät, merkt sie sich dieses WLAN. Im Mobilfunknetz nimmt sie sofort den Tunnel, in einem fremden WLAN ebenfalls, sobald sie euer Camper-WLAN einmal kennt. Ein Standortzugriff ist dafür nicht nötig. Nicht wundern: In der App heißt das WLAN, in dem sie direkt verbindet, „Zuhause“ – im Camper ist das euer Camper-WLAN. Außerhalb davon steht oben „Unterwegs · über WireGuard“ (bzw. Tailscale).
- Tunnel nur da, wo er gebraucht wird: Der Tunnel läuft nur in der App, nur für die Adressen eurer Kacheln und nur, solange ihr eine Kachel benutzt (und kurz beim Öffnen der App für ein frisches Kamerabild) – danach schließt er sich wieder. Alle anderen Apps auf dem Handy bleiben unberührt – es gibt kein System-VPN, und HomeHyrax läuft sogar neben einem anderen VPN.
- Der Weg zum Camper ist verschlüsselt: Was HomeHyrax durch den Tunnel schickt, läuft über WireGuard oder Tailscale.
- Kein Abo, keine Werbung, kein Konto bei uns.

Warum HomeHyrax?
Der Name kommt aus Kapstadt: Dort sitzen Klippschliefer (englisch hyrax) auf Felsen, Parkplätzen und Mauern – klein, rundlich und erstaunlich aufmerksam. In jeder Gruppe hält einer Wache und passt auf, ob der Weg frei ist. Genau das macht die App für euch: Sie achtet darauf, ob ihr direkt ins Heimnetz kommt oder den Tunnel braucht. Ein Stofftier-Klippschliefer ist seitdem unser Maskottchen – und im Logo schaut er aus dem Haus, mit dem Schlüssel im Gesicht.


Wichtig vorab: Gebt dem Camper-Netz einen eigenen Adressbereich, der sich von dem zuhause unterscheidet – zum Beispiel 192.168.179.0/24 statt des FRITZ!Box-Standards 192.168.178.0/24 (FRITZ!Box: Heimnetz → Netzwerk → Netzwerkeinstellungen → IPv4-Einstellungen). Sonst hält die App zuhause ein Heimgerät mit derselben Adresse womöglich für euer Camper-Gerät.
Damit das Handy von außerhalb überhaupt einen Weg in den Camper findet, braucht der Camper einen „Eingang“. Dafür gibt es zwei Wege – je nachdem, welchen Router ihr verbaut habt. Faustregel: Habt ihr eine FRITZ!Box mit Mobilfunk, probiert zuerst Weg A. Klappt der Test nicht oder habt ihr einen anderen Router, nehmt Weg B.
Weg A: FRITZ!Box 5G/LTE mit WireGuard
Habt ihr eine FRITZ!Box mit Mobilfunk im Camper (zum Beispiel eine FRITZ!Box 6850 5G), bringt sie ab FRITZ!OS 7.50 WireGuard schon mit. Das Handy verbindet sich dann direkt mit der Box im Camper – ohne Zusatzgerät, und eure Daten laufen über keinen fremden Server.

Der Haken: Damit das klappt, muss die Box im Camper von außen erreichbar sein – über eine IPv6-Adresse oder eine öffentliche IPv4-Adresse. Genau das lassen viele Mobilfunktarife nicht zu. Probiert es deshalb einfach aus, bevor ihr euch auf diesen Weg verlasst. Weil sich die Adresse im Mobilfunk ändert, trägt die FRITZ!Box in die WireGuard-Verbindung in der Regel ihre MyFRITZ!-Adresse ein – legt dafür ein MyFRITZ!-Konto an, falls noch nicht geschehen (Details beim Hersteller).
So richtet ihr es ein:
- Im Camper-WLAN die Oberfläche der Box öffnen (
http://fritz.box) und anmelden. - Internet → Freigaben → VPN (WireGuard) → Verbindung hinzufügen → Einzelgerät, einen Namen vergeben (z. B. „Handy“) und an der Box bestätigen.
- Die Box zeigt einen QR-Code. In HomeHyrax Tunnel → + Tunnel → WireGuard → QR-Code scannen.
- In HomeHyrax im Reiter Tunnel auf der neuen Karte Verbindung testen klicken – am besten mit ausgeschaltetem WLAN, also übers Mobilfunknetz. Meldet die App „Keine Antwort vom Heimnetz“, ist die Box von außen nicht erreichbar: Dann ist Weg B der richtige.
Tipp: Legt für jedes Handy eine eigene Verbindung an. Zwei Handys mit demselben Schlüssel stören sich, sobald beide gleichzeitig über den Tunnel verbunden sind.
Weg B: LTE-Router + Raspberry Pi mit Tailscale
Dieser Weg klappt in aller Regel mit jedem Mobilfunktarif, weil sich der Camper von innen nach außen verbindet – Freigaben am Router braucht es nicht. Tailscale vermittelt die Verbindung über seine Server, der Inhalt bleibt dabei verschlüsselt. Später haben wir es genau so gelöst: Ins Internet ging es über einen Teltonika RUT200, dahinter hing ein Raspberry Pi Zero 2 W mit Tailscale. Der RUT200 selbst kann Tailscale nicht – laut Teltonika reicht sein Speicher dafür nicht –, der kleine Pi übernimmt das für das ganze Camper-Netz. Er braucht im Leerlauf nur rund 0,6 Watt (Messung von CNX Software, 2021).

So richtet ihr es ein:
- Ein kostenloses Konto bei tailscale.com anlegen (Anmeldung z. B. mit Google, Microsoft oder Apple).
- Mit dem Raspberry Pi Imager Raspberry Pi OS Lite auf die SD-Karte schreiben und dabei gleich das Camper-WLAN und SSH einstellen. Den Pi einschalten, dann vom Laptop im Camper-WLAN per SSH anmelden (
ssh benutzer@IP-des-Pi, die IP steht im Router) – dort gebt ihr die folgenden Befehle ein. - Auf dem Pi Tailscale installieren und das Weiterleiten erlauben:
curl -fsSL https://tailscale.com/install.sh | sh echo 'net.ipv4.ip_forward = 1' | sudo tee /etc/sysctl.d/99-tailscale.conf echo 'net.ipv6.conf.all.forwarding = 1' | sudo tee -a /etc/sysctl.d/99-tailscale.conf sudo sysctl -p /etc/sysctl.d/99-tailscale.conf - Das Camper-Netz freigeben – beim RUT200 ist das meist
192.168.1.0/24, schaut im Router nach:sudo tailscale up --advertise-routes=192.168.1.0/24Den angezeigten Link im Browser öffnen und mit eurem Tailscale-Konto anmelden.
- In der Tailscale-Verwaltung unter Machines beim Pi Edit route settings öffnen und die Route anhaken. Tipp: dort auch Disable key expiry wählen, damit der Pi angemeldet bleibt.
- In HomeHyrax Tunnel → + Tunnel → Tailscale → Verbinden und mit demselben Konto anmelden. Die Karte zeigt danach „Verbunden“ und das Camper-Netz.
Größere Teltonika-Modelle (z. B. RUTX- und RUTM-Serie) können Tailscale übrigens selbst – dann braucht ihr keinen Pi. Wer auch die Vermittlung selbst betreiben möchte, kann in HomeHyrax statt Tailscale einen eigenen Headscale-Server eintragen.
Die Geräte in der App anlegen
Egal ob Weg A oder B: Danach legt ihr in HomeHyrax für jedes Gerät eine Kachel an – Name, Adresse im Camper-Netz (die IP-Adresse des Geräts, z. B. 192.168.179.20 – sie steht in der Geräteliste eures Routers, bei der FRITZ!Box unter Heimnetz → Netzwerk), dazu den eben angelegten Tunnel und bei VPN „Smart“ (im Camper-WLAN direkt, außerhalb über den Tunnel; „Immer“ nimmt stets den Tunnel, „Kein“ nie). Auf Wunsch kommt jede Kachel als eigenes Symbol auf den Startbildschirm.

- Webseite: die Oberfläche eures Batteriecomputers, Routers oder eurer Heizungssteuerung, im Vollbild wie eine eigene App.
- Schalter: ein Klick, ein Befehl – zum Beispiel einen Shelly ein- oder ausschalten, auf Wunsch mit Fingerabdruck. Im Camper-WLAN findet HomeHyrax Shellys sogar selbst.
- Kamera: das Livebild einer Kamera mit RTSP-Stream, zum Beispiel einer Eufy Indoor Cam. Die Kachel zeigt beim Öffnen der App gleich ein frisches Bild. Bei Eufy in der Eufy-App unter Einstellungen → NAS (RTSP) den Stream einschalten und die Aufzeichnung auf „immer“ stellen – bei „nur bei Bewegung“ liefert die Kamera sonst kein Bild.


Fazit
- Im Camper-WLAN ist alles direkt erreichbar – von außerhalb braucht es einen Weg hinein.
- Weg A (FRITZ!Box 5G/LTE mit WireGuard) ist der einfachste, klappt aber nur, wenn eure Box im Mobilfunk von außen erreichbar ist.
- Weg B (LTE-Router + Raspberry Pi mit Tailscale) funktioniert fast überall und braucht nur ein kleines Zusatzgerät.
- HomeHyrax ist euer smarter VPN-Assistent: erkennt selbst, wo ihr seid, startet den passenden Tunnel nur, wenn ihr ihn braucht, und lässt alle anderen Apps unberührt.
HomeHyrax ist kostenlos und gibt es jetzt im Google Play Store. Anleitung und Hilfe zur App: homehyrax.com. Die Datenschutzerklärung findet ihr hier.
Danke, dass ihr bis hierhin gelesen habt! Welche Geräte habt ihr in eurem Camper verbaut, und wie greift ihr von außerhalb darauf zu? Schreibt es uns in die Kommentare.
Die App-Bilder in diesem Artikel zeigen eine Demo-Umgebung mit Beispieladressen. WireGuard ist eine eingetragene Marke von Jason A. Donenfeld. FRITZ!, Tailscale, Raspberry Pi, Shelly, Teltonika und Eufy sind Marken ihrer jeweiligen Inhaber; HomeHyrax steht mit ihnen in keiner Verbindung.


